KIRCHE - IM REIHERSTIEG  
  Evangelische Kirche in Hamburg-Wilhelmsburg  
 Startseite | Impressum | Kontakt |
 
Die Paul-Gerhardt-Kirche in der Georg-Wilh.-Str. 121

Die 1895 von der Kreuzkirche in Kirchdorf abgetrennte Reiherstieg-Gemeinde wuchs infolge der Industrialisierung und der Hafenerweiterung schnell zu einer großen Stadtgemeinde an und hatte bald drei Pfarrbezirke. Schon 1929 wurde im Südbezirk ein Gemeindehaus mit Kirchsaal gebaut und ein eigenständiges Gemeindeleben entwickelt. Die Gottesdienste wurden zunächst in der Kapelle des ehemals kirchlichen Friedhofs in der Mengestraße gefeiert.

 

Am 1.4.1957 wurde die Paul-Gerhardt-Gemeinde selbständig und nahm weiter raschen Aufschwung. So wurde die Planung für einen Kirchenneubau von Pastor Kunert vorangetrieben. Die Grundsteinlegung erfolgte am 1. Advent 1959 und am Sonntag Reminiscere, am 26.2.1961, konnte Landessuperintendent Dornblüth aus Lüneburg die feierliche Einweihung des Gotteshauses vornehmen.

 

Der Kirchbau wurde finanziert vom Gesamtverband des Kirchenkreises Harburg und aus Spenden des „Freundeskreis der Paul-Gerhardt-Gemeinde“. So wurde die Ausgestaltung des Kirchenraumes mit Relief und Buntglasfenstern, drei der vier Glocken und ein wesentlicher Teil der Orgel sowie der Taufstein weitgehend über Spenden ermöglicht.

 

Die große Sturmflut vom 16./17. Februar 1962 brachte nicht nur viel Leid über die Bevölkerung, sondern überschwemmte auch Kirche und Gemeinderäume. Mit Hilfe von Zuschüssen und Spenden wurden die Räume wiederhergestellt.

 

1965/66 beherbergte die Kirche auch die katholische Gemeinde, während der Umbauphase der Bonifatiuskirche. In den 90er Jahren nutzten auch freikirchliche afrikanische Christen den Kirchraum mit.

 

Kirchraum, Orgel und Glocken:

Die Kirche bietet über 300 Menschen Platz und wurde nach den Plänen des Architekten G. Johannsen aus Hamburg errichtet. Kirchenvorstand und Architekt hatten sich vorher verschiedene Kirchbauten angesehen und sich dann für diese Modell entschieden. Der in ungewöhnlicher Ost-West-Richtung liegende Bau ist eine einschiffige Stahl-Beton-Skelett-Konstruktion, deren Fächer und Giebelwände in Mauerwerk aus roten, norddeutschen Handstrich-Backsteinen ausgeführt sind.  Der ebenfalls in Betonfachwerk mit Mauerwerksscheiben ausgeführte, 30 Meter hohe Turm und Glockenträger ist freistehend errichtet und wird von einem Wetterhahn gekrönt.

 

Das Kirchenschiff wird beherrscht durch das Relief an der Altarrückwand. Es ist nach einem Entwurf des Bildhauers K. Schubert gestaltet und zeigt fünf Jünger in einem Boot, die zu Jesus emporblicken. Der „Seewandel Jesu“ nach Markus 6,45-52 ist somit dargestellt. Altar, Kanzel und Taufbecken sind in klaren, geometrischen Formen gehalten. Das Tageslicht tritt durch schlanke, mit buntem Glas versehene Fenster an der Südseite ein und taucht das Relief in wechselndes, farbiges Licht.

 

Den Altar schmücken 6 Leuchter und ein schlichtes Kruzifix. Ende 1968 wurde dieses bei einem Einbruch gestohlen. Da die Versuche des Diebes, es einzuschmelzen erfolglos waren, warf er es in die Wettern, aus der es wieder geborgen werden konnte.

 

Das zu Pfingsten 1964 fertiggestellte Buntglasfenster an der Nordseite wurde von der Künstlerin I. Jepsen von Geiso entworfen und deutet den Weg des Gottesvolkes an: Aus dem Dunkel der Schuld zum hellen Licht Christi.

 

Die von Orgelbaumeister Hillebrand gebaute Orgel steht auf der Eingangsempore. Sie hat 1704 Pfeifen in Hauptwerk, Brustwerk und Pedal mit insgesamt 25 Registern. Die Holzpfeifen sind aus 18 Jahre lang gelagertem Eichenholz, die Metallpfeifen aus Kupfer oder Zinn-Blei-Legierung gefertigt. Die kleinste hat einen Klangkörper von 6 mm Länge, die größte misst 4,50 m.

 

Das im Turm aufgehängte Geläut besteht aus vier Glocken, die am 7.10.1960 unter Beteiligung von mehr als 50 Gemeindegliedern in der Glockengießerei der Gebrüder Rincker in Sinn/Dillkreis gegossen wurden. Die drei großen Glocken sind Spende des Freundeskreises, die kleinste Taufglocke wurde von Architekt Johannsen gestiftet. Sie haben die Tonfolge e-a-cis-d und tragen Inschriften aus Kirchenliedern von Paul-Gerhardt:

 

-         Dominica (1098kg): „Kommt und lasst uns Christum ehren ...“

-         Betglocke (511 kg): „Wenn ich einmal soll scheiden ...“

-         Trauglocke (319kg): „Sprich Ja zu meinen Taten ...“

-         Taufglocke (234kg): „Solange dieses Leben währt ...“